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Sehnsucht nach dem „Kommunismus“?

Kulturen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bei jungen Menschen in Südost- und Osteuropa und in Ostdeutschland im 21. Jahrhundert

Internationale und interdisziplinäre Konferenz an der Universität Wien, Österreich

 

Longing for “Communism”?

21st Century Youth Cultures in Past, Present and Future Eastern Germany, and Southeast and Eastern Europe

An International and Interdisciplinary Conference at the University of Vienna, Austria


Montag, 23. Oktober 2017 | Monday, 23 October 2017

Aula am Campus, Hof 1.11, Campus der Universität Wien, Spitalgasse 2, 1090 Wien

Conference Program

Abstracts

Anschlussveranstaltung

Photos of the Conference by Mateusz Wiglinzki

Bericht über die Konferenz


Organisers

Chair of Modern History at the Martin Luther University Halle-Wittenberg, Germany

Chair for Transformation Processes in Central, Eastern and Southeastern Europe at the University of Vienna, Austria

Franz Vranitzky Chair for European Studies, Transdiciplinary Chair at the Department of Contemporary History and the Department of Communication at the University of Vienna, Austria

Funded by Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

 


Thema der Konferenz

Das „Gespenst des Kommunismus“ geht wieder um in Europa! 

Nostalgische Bezugnahmen auf den 1989 erodierten Staatssozialismus im Osten Europas und in Ostdeutschland sind Anfang des 21. Jahrhunderts bei jungen Leuten ebenso en Vogue wie Bewegungen, die unter den Bedingungen einer globalisierten Welt neue Formen von Gemeinschaft und Genossenschaft ins Werk setzen möchten. 

In den Nachfolgegesellschaften Jugoslawiens beispielsweise grassiert eine regelrechte Welle der Sehnsucht nach der vermeintlich heilen „kommunistischen“ Vergangenheit, die unter dem Rubrum „Jugo-“ und „Tito-Nostalgie“ firmiert. In Russland bekennen sich junge Menschen gar zum Neo-Stalinismus – als Modell für eine lichte Zukunft. Das Verlangen nach den Dingen und den Diskursen des „Kommunismus“ kommt nicht von ungefähr, es scheint eine als prekär empfundene Gegenwart und eine nicht gerade verheißungsvolle Zukunft zu kompensieren. 

Wir sehen auch, wie junge Osteuropäer, konfrontiert mit den Auswüchsen ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen versuchen, sich neue Formen von „Gemein-schaft“ zu erschließen. In den vielfältigen Modellen der Shared Economy beispielsweise scheint nicht nur der uralte Genossenschaftsgedanke, sondern die große Vision des Gleich-heits¬verlangens wieder aufzuleben. Doch das neue Denken und Fühlen in Communities kann seine Traditionen nicht verleugnen: Beerbt hier ein moderner „Commonismus“ den tradierten „Kommunismus“? 

Diese Bewegungen finden sich überall in Europa. Hier drängt sich die Frage auf, worin genau sich die Motive, die Wege und die Ziele der jungen Aktivisten in Ost- und Südosteuropa von denjenigen ihrer Altersgenossen im Westen unterscheiden. – Schließlich tragen Osteuropäer und Ostdeutsche mit den „kommunistischen“ Lebensgeschichten ihrer Elterngenerationen und mit ihren eigenen post-„kommunistischen“ Erfahrungen ein ganz anderes Gepäck in die Zukunft als ihre Altersgenossen. 

Die Wiener Konferenz versteht sich als Forum für eine internationale Bestandsaufnahme und für eine interdisziplinäre Diskussion dieser mit Blick auf die Zukunft Europas gesellschaftlich wie politisch brisanten Herausforderungen.

 


Conference Topic

The "spectre of communism" is haunting Europe!

At the beginning of the 21st century nostalgic references to the Social Socialism in Eastern Europe and Eastern Germany that eroded in 1989 as well as movements which want to implement new forms of community and cooperative, under the conditions of a globalized world, are in vogue among young people.

For example: trading under names like "Jugo-" and "Tito-nostalgia" a regular wave of longing for the allegedly healing "communist" past sweeps through the successor states of Yugoslavia. In Russia, young people are even committed to neo-Stalinism as a model for a bright future. The desire for communist items and discourses does not come by chance, it seems to compensate for a present that is perceived as precarious and a future which is less than promising.

We also see how young Eastern Europeans, faced with the excesses of their neoliberal economic and social orders, try to establish new forms of "community". In the manifold models of the shared economy, they not only strive for the former idea of​a cooperative society, but also the great vision of equality. But the new thinking and feeling in communities can not deny its traditions: does a modern "commonism" inherit the traditional "communism"?

These movements are found all over Europe. This raises the question of the precise differences between the motives, the ways and the aims of the young activists in East and South Eastern Europe and in contrast to their peers in the West. - After all, unlike Western peers the Eastern Europeans and East Germans carry backpacks full of "communist" life stories of their parents' generations and also their own post-"communist" experiences.

The Vienna Conference sees itself as a platform for an international stocktaking and for an interdisciplinary discussion of these social and political challenges in the context of the future in Europe.

Franz Vranitzky Chair for European Studies

Univ.-Prof. Dr. Rainer Gries
Althanstraße 14 (UZA II)
1090 Wien

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